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Zauneidechse
Tiere und Pflanzen > Arten
(Lacerta agilis) – Die Sonnenanbeterin
Zauneidechse Männchen
Der Name Zauneidechse kommt von dem bevorzugten Lebensraum, denn sie wohnt gerne in Grenz- oder Übergangsgebieten. Ihr wissenschaftlicher Name bedeutet "flinke Eidechse".

Die Zauneidechse ist eine eurasische Art. Sie kann in ganz Deutschland angetroffen werden, hat aber ihren Verbreitungsschwerpunkt im Osten und Südwesten. In Deutschland steht die Art auf der Vorwarnliste, für Hessen wird sie als nicht gefährdet angegeben.

Die Zauneidechsen haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Aus menschlicher Sicht lieben sie „unordentliche“ Flächen. Sie brauchen offene Böden für die Eiablage und höhere oder dichtere Strukturen in denen sie sich bei Gefahr verstecken können, z.B. Brombeerhecken oder Altgras. Besonders wichtig sind Strukturen (z.B. Totholz, Steine o.ä.) auf denen sie sich gut sonnen und bei Gefahr schnell verschwinden können. Als Nahrung sollte eine reiche Wirbellosenfauna (z.B. Heuschrecken, Spinnen, Käfer usw.) vorhanden sein.  
Sie besiedeln überwiegend magere Lebensräume, bei denen sich offene Abschnitte mit dichten bewachsenen Bereichen abwechseln. Natürliche Lebensräume sind trockene Waldränder, Uferbereiche von Flüssen, Heiden, Trocken- und Magerwiesen. Die Eidechsen nutzen gerne Lebensraumstrukturen, die von Menschen erstellt wurden und z.T. auch genutzt werden.  Ein Beispiel für sogenannte sekundäre Lebensräume sind Bahndämme, Kiesgruben, Steinbrüche und Wildgärten. Zum Leidwesen einiger Bauherren kommen sie gerne auch auf Industriebrachen und Ruderalflächen vor. Sie müssen dann vor der Bebauung auf eine andere Fläche umgesiedelt werden.

Als Winterquartier suchen sie frostfreie Verstecke auf, z.B. Baue von Kleinsäugern oder selbst gegrabene Quartiere.

Die tagaktiven Tiere kommen ab März/Anfang April aus ihren Winterquartieren. Nach der ersten Häutung (Ende April) beginnt die Paarungszeit. Treffen sich in dieser Zeit zwei Männchen, finden sogenannte Kommentkämpfe mit ritualisierten Droh- und Imponiergebärden statt.

Ab Mitte Mai bis Ende Juli legt das Weibchen in selbst gegrabene Erdlöcher an sonnigen und vegetationsfreien, meist sandigen Stellen 5-14 Eier ab. Selten werden 2 Gelege abgelegt. Die Jungtiere schlüpfen meistens im August/September (in ungünstigen Jahren auch erst Anfang Oktober). Die Schlüpflinge sind mit ihren 5-6 cm Körpergröße appetitliche Happen für einige Tiere (auch für ältere Eidechsen, wie die eigenen Eltern). Schon ab August suchen die Männchen die Winterquartiere auf, September und Anfang Oktober folgen die Weibchen. Die Jungtiere können bei uns noch Ende Oktober und Anfang November beobachtet werden.
Männliche Zauneidechse Zauneidechse, junges Männchen Zauneidechse Weibchen
Die Zauneidechse lässt sich gut beim Sonnenbad beobachten. Gerade in den ersten Sonnenstunden müssen sich die wechselwarmen Tiere auf „Betriebstemperatur“ bringen. Bei großer Sommerhitze oder schlechtem Wetter verkriechen sie sich in ihre Quartiere bzw. Hohlräume.

Gefährdet ist die Art vor allem durch die Zerstörung der Lebensräume und den Verlust von Kleinstrukturen. Wiederbewirtschaftung oder Bebauung von Brachflächen, Zerschneidung der Lebensräume durch Straßenbau, Aufforstungen und Verlust von Randstreifen und Böschungen sind große Gefährdungen für die Zauneidechse.

Da für die Eiablage vegetationsfreie Stellen gebraucht werden, kann auch das natürliche Zuwachsen (Sukzession) von Standorten für die Art negativ sein.

Auch scheinbar kleine Veränderungen, wie das Entfernen von Hecken, Totholz- und Lesesteinhaufen oder die Befestigung von Wegen können die Art in ihrer Existenz bedrohen. Ebenso stellen fehlende Pflege und Nutzungsaufgabe sowie der Einsatz von Bioziden und Dünger eine Gefahr dar.

Neben der Bereitstellung von Lebensräumen müssen auch geeignete Pflegekonzepte zur Aufrechterhaltung der reich strukturierten und stellenweise auch offenen Biotope erstellt und umgesetzt werden. Regelmäßiges Freischneiden, teilweise aber auch Rodung von stark beschatteten Sonn- und Eiablageplätzen sind meistens nötig.  

Auch die Erhaltung von unbefestigten Feldwegen und linearen Landschaftselementen wie Hecken, Raine und Feldgehölz, genauso wie schonende Unterhaltung von Wegrändern, Eisenbahnstrecken, Straßen- und Kanalböschungen können einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Zauneidechsen leisten.
Männliche Zauneidechse Männliche Zauneidechse
Merkmale
Der kurze und kräftige Körper hat einen abgesetzten Kopf mit einer kurzen und stumpfen Schnauze. Unversehrte Schwänze können 1-1,7 mal so lang wie der restliche Körper sein. Zauneidechsen können eine Körpergröße von über 20 cm erreichen. Auf dem Rücken ist seitlich jeweils ein heller Längsstreifen der vom Kopf bis zum Schwanz reicht. Dazwischen ist meist ein breiter braun bis rostroter Mittelstreifen mit dunklen Fleckenreihen. Auf der Körperseite (Flanke) sind Fleckenmuster aus schwarzumrandeten weißen Augenflecken.

Die Färbung und Zeichnung einer Zauneidechse variiert je nach Individuum, Geschlecht, Altersstadium und Jahreszeit. Die Grundfarben der Zauneidechse sind Brauntöne. Das Männchen hat vor allem in der Paarungszeit leuchtend grüne Bauch-, Kopf- und Flankenpartien, auch gibt es komplett grüne Exemplare. Bei den Weibchen ist auf dem Rücken meistens ein „leiterartiges“ Muster aus hellen Seitenlinien und dunkelbraunen „Quersprossen“ zu erkennen. Diese dunklen Sprossen haben oft weiße Striche oder Punkte. Auch an den Seiten finden sich diese dunklen Flecken mit weißen „Kernen“.

Auch „untypische“ Färbungen, wie Schwärzlinge, Zeichnungslose und Rotrückige ohne die typische Rückenzeichnung kommen vor.

Jungtiere haben eine hellbraune bis sandfarbene Grundfärbung mit Augenflecken (dunkler Fleck mit hellem Auge) auf den Körperseiten.
Zauneidechsen-Weibchen Zauneidechsen-Männchen Zauneidechsen-Weibchen Farbvarianten der Zauneidechse: Zauneidechsen Jungtiere
Am Schwanz der Eidechse gibt es mehrere „Sollbruchstellen“ an denen er bei Bedrohung abgetrennt werden kann. Der Feind wird von dem zuckenden Schwanzteil abgelenkt und das Tier kann verschwinden. Der Schwanz bildet sich neu, allerdings kürzer.

Zauneidechsen stehen bei vielen Tiere auf dem Speisezettel. Bei den Vögeln sind es große Arten wie Turmfalke, Jagdfasan und Rabenkrähe, aber auch kleinere wie Amsel und Star. Fuchs, Hauskatze, Mader, Igel und Schlingnatter jagen Eidechsen. Im Winter wühlen Wildschweine gerne in den Winterquartieren, schaffen so aber auch neue Eiablageplätze. Die Eier können vom Dachs und großen Insekten wie Laufkäfern gefressen werden.
Zauneidechse mit nachwachsendem Schwanz Graureiher beim Fressen einer Zauneidechse überfahrene Zauneidechse
Text: Yvonne Lücke
Öffnungszeiten der Naturschutzscheune
vom 29. März bis 3. Oktober 2026
an Sonn- und Feiertagen von 10:30 bis 17:30 Uhr

Das Außengelände ist jederzeit zugänglich
(Betreten auf eigene Gefahr)
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